Viel mehr Wasser erwünscht

Von Sigrid Werner

Ob nun im Schutzgebiet am Platkowsee oder am Lübbesee - die Umweltplaner konnten keine signifikante Verschlechterung der geschützten Biotope in den Schutzgebieten ausmachen. Jetzt stellten sie öffentlich vor, welche Maßnahmen dennoch sinnvoll wären.

TEMPLIN. Noch im Juni dieses Jahres sollen für die Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebiete Lübbesee und Platkowsee im Bereich des Naturparkes Uckermärkische Seen die ersten Entwürfe zur Managementplanung für die an Europa gemeldeten Schutzgebiete vorgelegt werden. Dann besteht, insbesondere für betroffene Landeigentümer und Landnutzer vier Wochen lang die Möglichkeit, Einwände und Vorschläge zu den vom Planungsbüro UmweltPlan aus Stralsund vorgeschlagenen Erhaltungsmaßnahmen für die zu schützenden Lebensraumtypen und in Europa seltenen Tier- und Pflanzenarten bei der Naturparkverwaltung in Lychen einzureichen. Dort werden die Unterlagen auch einzusehen sein.

Im Vorfeld hatten die beiden Projektleiterinnen Lisa Heinze und Kristina Vogelsang bei einer Veranstaltung im Historischen Rathaus von Templin Ergebnisse der Kartierungen und Maßnahmenvorschläge öffentlich vorgestellt und mit den Gästen diskutiert. Persönlich eingeladen worden waren alle großen Landeigentümer aus den betroffenen Gebieten. Die Resonanz hielt sich allerdings in Grenzen: Nur wenig mehr als 20 Bürger waren der Einladung gefolgt, darunter Forstleute, Jäger und Vertreter von Naturschutzverbänden.

Im FFH-Gebiet Lübbesee wird von den Planern für die Naturparkregion nur der 340 Hektar große Nordteil betrachtet, der Rest wird parallel dazu vom Biosphärenreservat bearbeitet und soll später:, mit den Ergebnissen aus dem Naturpark abgestimmt werden, so Projektleiterin Lisa Heinze.

An die EU waren für das Lübbesee-Gebiet fünf schützenswerte Lebensraumtypen (nährstoffarme Stillgewässer, Übergangsmoore, Birken-Moorwälder, Hainsimsen-Buchenwälder und Waldmeister-Buchenwälder) sowie zehn besonders schützenswerte Arten (Kammmolch, Rotbauchunke, Biber, Fischotter, Bitterling und Schlammpeitzker, Steinbeißer (Fische), Bauchige und Schmale Win­delschnecke sowie die Große Moosjungfer gemeldet wor­den.

Dem Biber scheint es am Lübbesee recht gut zu gehen. Jedoch konnten Rotbauch-unke und Kammmolch bei der Kartierung und Datenauswertung nicht gefunden werden. Auch Bitterling und Schlammpeitzker machten sich rar. Stattdessen wurde der noch nicht gelistete Steinbeißer entdeckt. Die Moosjungfer konnten die Kartierer im trockenen 2018 nur noch auf einer Fläche an einem Stillgewässer im Wald nachweisen, zum Zeitpunkt der Leistung stand allerdings Wasser auf den Libellen-Wiesen.

Die Umweltplaner schätzten den Erhaltungszustand zumeist als gut ein. Von Seiten der Förster werde mit dem Waldumbau schon sehr viel richtig gemacht, hieß es. Eher ungünstig wurde der Zustand der Hainsimsen-Buchenwälder und Moosjungfer bewertet. In besagten Wäldern wurde das weitgehende Fehlen von Biotop- und Altbäumen sowie ein zu geringer Anteil an Totholz kritisch ausgemacht.

Umfangreiche Erfassung der Fischarten empfohlen

Im Sinne der Wasser lieben­den Libelle wäre es sinnvoll, durch ein Gutachten prüfen zu lassen, ob eine Wasserstands Anhebung (Grabenanstau) positive Effekte haben könnte. Die Planer regten eine umfangreichere Erfassung der Fischarten an, die im Zuge der Kartierungen nur an den flachen Uferrändern vorgenommen wurden.

Wünschenswert wäre die ökologische Durchlässigkeit an stauregulierten Abflüssen wie dem Hammerfließ zu schaffen, für Otterpassagen an der Milmersdorfer Chaussee zu sorgen, wo es mehrere Totfunde gegeben habe, und die extensive Grünlandbewirtschaftung fortzusetzen.

Bürger sprachen sich gegen eine Sperrung von Uferbereichen für die Angelnutzung aus. Das war aber bis dahin auch nicht Bestandteil der Maßnahmevorschläge im Naturparkbereich.

Norbert Bukowsky vom NABU Templin wünschte sich Hinweise zur touristischen Lenkung: Derzeit befinde sich ein Moorlehrpfad am Nordende des Lübbesees in Planung. Wenn solche Vorhaben nicht erfasst würden, könnte es später schwierig werden, sie genehmigt zu bekommen. Denn Genehmigungsbehörden nähmen die FFH-Managementplanung später als Richtschnur.

Andere Bürger wiesen darauf hin, dass sich der Pegel am Lübbesee schon seit Jahrzehnten zwischen 70 und 100 bewege, in Abhängigkeit von Niederschlägen und Verdunstung. Sie wünschten sich wieder Staubeiräte für die Seen, um einer zu starken Entwässerung entgegenwirken zu können. Denn der Erhalt der Lebensraumtypen und Arten stehe und falle mit dem Wasserangebot. Ein Bürger wünschte sich, dass etwas für die Maränen getan werde und wunderte sich, dass diese einst für den Lübbesee typische Fischart gar nicht betrachtet wurde. Die Projektleiterin verwies darauf, dass Bestandteil dieses Auftrags nur die gelisteten Arten seien, diese aber auch als Schirmarten für andere gelten.

Landeigentümer und Nutzer, die von Maßnahmevorschlägen im ersten Planentwurf durch veränderte Nutzungsmöglichkeiten betroffen wären, sollen vom Projektteam im Naturpark angeschrieben werden.

Kontakt zur Autorin s.werner@nordkyrier.de

 

 

 

Aus der Templiner Zeitung vom 12.06.2019, mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

 

Zuletzt geändert: 12.06.2019